Donnerstag, 6. Dezember 2007

Frohen Chlaustag, liebes Schmutzli

Launige Worte zum Einstieg: Und schon sind wir wieder mitten drin in der Weihnachtszeit. Meinen ersten Tannenbaum habe ich ja schon seit September. Dummerweise hab ich ihn bei meinem Bruder auf dem Balkon vergessen. Der hat wenigstens mal geraucht. Der Bruder nicht der Baum. Den hatte ich ja von Gauloises, den Baum nicht den Bruder, man erinnere sich. Und heute feiert die halbe Welt den Nikolaustag, in der Schweiz heisst die Veranstaltung "Chlaustag". Und sein Gehilfe, der deutsche "Knecht Ruprecht" heisst hier "Schmutzli". Und den roten Umhang hat der gute Nikolaus von Coca Cola bekommen.  Das ist eine schöne Geschichte und daher sitze ich grad Zimtsternessender- und Colasaufenderweise vor der Maschine und tippe.  

Die Weihnachtszeit hat ja zur Folge, dass einem alle Welt etwas verkaufen möchte, da man ja noch unbedingt etwas für die Familie und die Lieben braucht. Und das geschieht z.T. auf so jahrmarktsmässige Weise, da sämtliche Anbieter hoffen, dass man es bis zum nächsten Jahr wieder vergessen hat, wie man zum Konsum gedrängt wurde. Mit CRM hat das jedenfalls nichts zu tun. Daher an dieser Stelle einige Beispiele:

CRM-Literaturempfehlung der Woche: die jeweils aktuellen Ausgaben von "Z - Die schönen Seiten des Lebens" (vom NZZ Verlag) zum Thema Luxusuhren, der "Schweizer Bank" mit dem tollen Titel "Uhren - diese Modelle tragen die Banker" und von "Golf&Country" mit der Doppelseite "Locken -lassen Sie sich von schönen Uhren verzaubern".  Grossartig 1: so werden Magazine themenübergreifend austauschbar. Grossartig 2: Wen man die Uhren dann tatsächlich bestellt, sind sie meistens nicht direkt verfügbar und es entstehen Wartezeiten bis weit nach Weihnachten. DAS meine ich mit Jahrmarkt.

Aber es gibt auch Licht-Blicke. Beispielsweise die Kundenerfahrung der Woche: Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält sie auf, unsere Air Berlin. Air Berlin, die Fluggesellschaft meines Vertrauens, hat unseren Flug von Hannover nach Zürich am zweiten Weihnachtstag vier Stunden vorverlegt. Eigentlich kein Problem. Das Treffen mit meiner Schwiegermutter würde dann etwa so ablaufen: "Hallo Schwiegermutter, Frohe Weihnacht, Tschüss, wir müssen, unser Flieger geht in fünf Minuten." An und für sich hat das etwas hübsch Skurilles, meine Frau meinte aber, das ginge so nicht. Verständlich. Also muss ich (!) bei Air Berlin anrufen und den Damen und Herren dort beibringen, dass das "so nicht geht". Voila, mache ich sofort. Rufe an und kläre das Problem. Die Mitarbeiterin von Air Berlin ist nett, versteht das Problem sofort (meines!) und löst es auf Kosten der Airline. Perfekter Kundenservice. Der absolute HAMMER ist aber die Warteschleife von Air Berlin. Da läuft nicht die kleine Nachtmusik, Abba oder das Radioprogramm, sondern der Corporate Song von Air Berlin. Hier kann man ihn sich anhören. Und das ist ein fürchterlicher Ohrwurm. Erst seit dem Konzert der besten Band der Welt gestern bin ich das wieder los.    

CRM Studie der Woche:   Sicherlich diesmal - zu meiner Kundenerfahrung passend - die Studien von Frank Carl Westermann, Professor für akustische Kommunikation an der Universität der Künste Berlin. Spannend, was der Mann im Harvard Business Manager bzw. auf Spiegel online zum Thema "Soundbranding" zu erzählen weiss. 

CRM-Bonmot für hilflose Hobby-Gurus: Aus dem erwähnten Interview - Wir meinen "AHA!": 

Frage: Herr Westermann, was verbinden Sie mit dieser Tonfolge: "Da-Da-Da-Dum"? 
Westermann: Das ist das Erkennungszeichen der BBC während des Zweiten Weltkriegs. Ein sehr gutes Beispiel für eine gelungene Klangmarke. Die Töne stehen für den Buchstaben V aus dem Morsealphabet. Er stand für Victory, Sieg. Gleichzeitig ist es der erste Takt aus Beethovens 5. Symphonie. Das war wirklich gut. Da klingt Respekt für die Hörer mit, die Überzeugung zu siegen - und all das mit nur vier Tönen. 
Frage: Und was verbinden Sie mit dieser Folge: "Da-Da-Da-Di-Da"?
Westermann: Dieses Düdelüt ist das Klang-Logo der Telekom. Allerdings ist das schon nahe am Klangterror.

1 Kommentar:

Sharko hat gesagt…

Habe die gleichen Erfahrungen beim Umbuchen eines AirBerlin Fluges gemacht. Wahrscheinlich hat dieser Song was mit Call Center Optimierung zu tun: länger als 5 Minuten hält das keiner aus, was die Wartezeiten für alle tendenziell reduziert ..